Menu

  • collapseDeutsch (439)
  • collapseEnglish (63)
  • expandEspañol (65)
  • expandFrançais (75)
  • expandItaliano (33)
  • expandNederlands (28)
  • expandOther Languages (8)
  • expandTürkçe (60)
  • expandРусский (20)

Zum Streik und Streikabbruch bei Opel

10/04 Oktober 2004

Zum Streik und Streikabbruch bei Opel

Zum Streik und Streikabbruch bei Opel
10/04 Oktober 2004
Zweierlei Lehren Vom 14.10.2004 bis zum 21.10.2004 streikten dieArbeiterinnen und Arbeiter der Opelwerke in Bochum gegen drohende Massenentlassungen. Dieser Streik wurde ohne und gegen die Gewerkschaftsrührung begonnen und durchgeführt. Die IG Metall-Führung und die Opel-Betriebsratsfürsten waren von Beginn an gegen die selbstständigen Streikaktionen. Gemeinsam mit den Politikern von Schartau über Clement bis Schröder versuchten sie die Angst vor der Komplettschließung des Werks wegen des Streiks zu schüren. Auch den Einschüchterungsversuchen der Kapitalisten mit Schadensersatzdrohungen und Drohung mit fristloser Kündigung hielten dieArbeiterinnen und Arbeiter bei Opel stand. Der Streik wurde sieben Tage erfolgreich gegen die Spaltungsversuche der Arbeiteraristokraten aus den Betriebsratsgremien durchgesetzt, denen es erst am 21.10.2004 gelungen ist, in einer gemeinsamen Aktion mit den Kapitalisten und mit Hilfe einer undemokratisch geführten Abstimmung den Streik abzubrechen. Zweierlei Lehren stehen sich schroff gegenüber: Der Streik hat einerseits die große Kampfkraft der selbstständig kämpfenden Arbeiterinnen und Arbeiter gezeigt. Anderseits ist auch die enorme Kraft der Abwiegelei der Gewerkschaftsführung und ihres Apparates im Dienst der Kapitalisten deutlich geworden.
Am 11.10.2004 wurde bekannt, dass General Motors inden Fabriken in Europa 12.000 Arbeitsplätze vernichten will. Mehr als 7000 Arbeitsplätze sollen 2005 bei Opel in Deutschland platt gemacht werden: ca. 3500 in Rüsselsheim und ca. 3500 in Bochum sowie 450 in Kaiserslautern. Ab 2008 wird mit der Schließung der Werke Rüsselsheim oder Trollhättan (Schweden) gedroht.
Die Werke in Europa sollen angeblich Verluste für die Kapitalisten bringen. General Motors (GM) insgesamt meldete allerdings allein für das 3. Quartal des Jahres einen Nettogewinn von 440 Millionen US-Dollar, (Handelsblatt 11.10.04) Um ihre Profite zu erhöhen, fordert GM Lohnkürzungen, Verlängerung der Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich und Entlassungen.
300 Arbeiterinnen und Arbeiter legen bereits am 14.10 2004 die Arbeit nieder und ziehen vor die Werkstore, nachdem die Drohungen der Kapitalisten bekannt wurden. Am späten Nachmittag gegen 16.00 Uhr stehen dann alle drei Werke in Bochum still. Auch die Frühschicht am kommenden Tag setzt den Streik fort. Insgesamt beteiligen sich ständig rund 3.000 Arbeiterinnen und Arbeiter sowie andere Werktätige an den Streikaktionen vor den Toren bzw. in den Werkshallen. Da der deutsche Imperialismus Streiks, die nicht von den Gewerkschaftsführungen ausgerufen werden, als illegale Streiks bezeichnet, nennen die Kolleginnen und Kollegen ihren Streik “Informationsveranstaltung”.
Die Forderungen der Arbeiterinnen und Arbeiter sind:
Ikeine betriebsbedingten Kündigungen, keine Entlassungen, keine StandortschlieOungen.
Der Streik wird in der Hauptsache angeführt von Arbeiterinnen und Arbeitern ohne betriebliche oder gewerkschaftliche Funktionen. Die Tore werden mit Gabelstaplern verbarrikadiert, kein LKW kommt mehr herein oder heraus. Stündlich werden Informationsveranstaltungen an den Hauptloren durchgerührt, um die Streikenden zu informieren und um zu diskutieren. Jede einzelne Schicht stimmt über die Fortführung des Streiks ab. Somit baut der Streiks auf einer breiten, demokratischen Mehrheit der Arbeiterinnen und Arbeiter auf. Gleichzeitig fordern die Arbeiterinnen und Arbeiter die Einberufung einer Betriebsversammlung, um mit allen Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren, was vom Betriebsrat lange verweigert wird. Koordiniert wird der Streik auf Treffen von Aktivistinnen und Aktivisten aus den einzelnen Abteilungen. Die meisten Berriebsratsmitglieder hingegen lassen sich nur selten bei den Streikenden sehen Mit ihrem Streik haben die Kolleginnen und Kollegen ein starkes Druckmittel für ihre Forderungen. Von Bochum aus werden Autoteile nach Russelsheim und in alle europäischen Werke von Opel geliefert. Ohne die Teile aus Bochum stehen auch die Bänder in Belgien, Großbritannien, Spanien, Polen und Großbritannien nach einigen Tagen still.
Gewerkschaftsfürsten, Politiker und die Arbeiteraristokraten gegen den Streik Bereits ab dem ersten Streiktag steht den Streikenden eine geschlossene Front aus Gewerkschaftsführern, Politikern und Betriebsratsbürokraten gegenüber, die sich einig sind: Es muss unbedingt weitergearbeitet werden, der Arbeitskampf ist sofort zu beenden.
Wirtschaftsminister Clement heuchelt Verständnis für die Wut und Empörung der Arbeiterinnen und Arbeiter bei Opel, fordert aber zugleich, “die Nerven zu behalten und die Arbeit nicht ruhen zu lassen.” (FR 16.10.04) Er hetzt gegen den Streik, indem er behauptet, dass mit solchen Aktionen die Schließung von Werken angeblich noch forciert würde. Fast täglich machen Clement, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Steinbrück und sein Wirtschaftsminister Schartau sowie Bundeskanzler Schröder Stimmung gegen den Streik.
Schützenhilfe bekommen sie dabei vom ersten und zweiten Vorsitzenden der İG Metall Peters und Huber, die die Streikenden auffordern, den Streik zu beenden.
Seinem Ruf als Streikbrecher gerecht wird der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Franz, der fast täglich versucht der Streikbewegung in den Rücken zu fallen und die Arbeiterinnen und Arbeiter auffordert, den Streik zu beenden und die Arbeit wieder aufzunehmen. Franz hatte sich schon im Juni 2003 an die Spitze der Streikbrecher gestellt. Als die Kollegen und Kolleginnen der Metallund Elektroindustrie in der Ex-DDR für die 35-Stunden-Woche streikten, meldete er sich zu Wort: “Ich bin dafür, das alle Streiks ab sofort beendet werden, damit schnell eine vernünftige Verhandlungslösung erreicht werden kann.” (Die Welt 26.6.03) Bereits nach zwei Tagen Streik verkündet der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Franz, dass es ohne Entlassungen bei Opel nicht gehen werde. Zwei Tage später teilt(…)

Comments are closed.