Menu

  • collapseDeutsch (468)
  • collapseEnglish (63)
  • expandEspañol (65)
  • expandFrançais (75)
  • expandItaliano (33)
  • expandNederlands (28)
  • expandOther Languages (8)
  • expandTürkçe (60)
  • expandРусский (20)

RF Nr. 26/27: Theoretische und politische Fragen des Zweiten Weltkriegs

RF Nr. 26/27: Theoretische und politische Fragen des Zweiten Weltkriegs

Einleitung
Diese Arbeit, die wir in zwei Bänden veröffentlichen, versucht im ersten
im Verlag Olga Benario und Herbert Baum, Offenbach 2008, herausgegebenen
Band „1418 Tage. Der Krieg des deutschen Nazifaschismus
gegen die sozialistische Sowjetunion (22. Juni 1941–8. Mai 1945)“
zweierlei:
Es wird das Ausmaß der Verbrechen des deutschen Imperialismus, des
Nazifaschismus beim Überfall auf die sozialistische Sowjetunion dargestellt,
aber es wird gerade auch das ganze Ausmaß des kaum vorstellbaren
wirklich heldenhaften Widerstands der Völker der überfallenen sozialistischen
Sowjetunion, der Kampf der Roten Armee, die korrekte
Linie der KPdSU(B) und die Bedeutung der Arbeit J. W. Stalins in diesem
Kampf aufgezeigt. Für alle am Kommunismus orientierten Genossinnen
und Genossen innerhalb Deutschlands ist dieser Kampf von ganz
besonderer Bedeutung.
Der zweite Band der Arbeit, die hier abgedruckten Ergebnisse der
Konferenz zur Schrift „Geschichtsfälscher. Eine historische Richtigstellung“,
Moskau 1948, befasst sich mit der Vorgeschichte des Zweiten
Weltkriegs und der staatlichen Politik der UdSSR zu dieser Zeit, den
Komplikationen, die vor allem dadurch entstanden sind, dass die
Arbeiterklasse in Deutschland den Nazifaschismus nicht verhindert
hat. Gerade auch durch diesen Umstand war die seit dem Sieg der Oktoberrevolution
1917 erstarkte sozialistische Sowjetunion gezwungen,
zwischen den verschiedenen imperialistischen Räubern zu lavieren, so
wie Lenin es nach 1918 gelehrt und gezeigt hatte, als die proletarische
Revolution in Deutschland ausblieb: die Widersprüche der imperialistischen
Großmächte auszunutzen, Verhandlungen zu führen, Verträge mit
den imperialistischen Räubern abzuschließen usw.
Es wirkt geradezu zynisch, wenn Stimmen aus Deutschland nun der
sozialistischen Sowjetunion vorwerfen, angeblich nicht revolutionär in
dieser oder jenen Zeitspanne gewesen zu sein – sei es, dass solche Vorwürfe
erhoben werden, weil 1939 nach vergeblichen Verhandlungen mit
Großbritannien und Frankreich schließlich ein Nichtangriffsvertrag mit
Deutschland unterzeichnet wurde oder weil 1941 die Anti-Hitler-
Koalition entstand und es zu Verträgen und abgestimmten Kampfhandlungen
zwischen der sozialistischen Sowjetunion und den imperialistischen
westlichen Großmächten gegen Nazi-Deutschland, das faschisti9
sche Italien und das faschistische Japan kam. Es geht wirklich nicht darum,
dass jeder Satz oder jedes Komma in den tagespolitischen Stellungnahmen
der UdSSR in der schwierigen Zeitspanne zwischen 1939
und 1945 absolut richtig und absolut zu verteidigen wäre. Es mag diese
oder jene Handlung oder Erklärung gegeben haben, die nicht genau genug
war, ihr Ziel vielleicht verfehlt hat, so wie mancher Artilleriebeschuss
nicht nur das eigentliche Ziel getroffen hat.
Der Kern ist ein anderer und den hat Genosse A. Odenthal in einem
Beitrag zur Diskussion über die „Geschichtsfälscher“ vor einigen Jahren
auf den Punkt gebracht:
„Da die nachfolgende Dokumentation sehr viele wichtige Fragen aufgreift
und analysiert, erscheint es nötig, einen zentralen Punkt ganz
besonders hervorzuheben, da er doch der Schlüssel zum Verständnis
der antikommunistischen Angriffe in ihrer ganzen Bandbreite darstellt.
Das ist die ganz praktische Frage: Hätte die sozialistische UdSSR nicht
1939 nach dem Überfall von Nazi-Deutschland auf Polen gleich in den
Krieg gegen Nazi-Deutschland eintreten, Polen befreien und dann Nazi-
Deutschland besetzen und die rote Fahne auf dem Reichstag hissen
sollen, mit dem Ziel den Nazi-Faschismus militärisch zu besiegen – mit
oder ohne England, Frankreich und die USA, ja möglicherweise gegen
sie? Die Frage so zu stellen, heißt auch schon, das eigentliche Problem
klarzumachen. Denn wer einmal die bösartigen Verleumder außer
Acht lässt und wir uns ehrlichen Nazi-Gegnern heute zuwenden, so ist
die deutliche Antwort: Liebe Leute, das sind ja tolle Wunschträume
und tolle Forderungen an die sozialistische UdSSR 1939, träumt ruhig
weiter! Die Sowjetunion hatte damals nicht die dazu erforderliche
Stärke, sie war kein Wunderland, und der Kern ist, dass genau das
von Stalin richtig eingeschätzt wurde.
Kurz gesagt, das wäre militärisch nicht durchführbar gewesen, weil
die UdSSR auf militärischem Gebiet viel zu schwach war. Die ersten
ungeheuren Erfolge Nazi-Deutschlands beim Vormarsch gegen die
Sowjetunion 1941 geben eine Vorstellung davon, dass die UdSSR keinesfalls
1939 Nazi-Deutschland militärisch überlegen gewesen wäre.
Es muss nur das Szenario durchgedacht werden, wenn die Rote Armee
1939 tatsächlich ganz Polen befreit hätte und weiter nach Berlin marschiert
wäre. Schon eine Sicherung eines Teils des ehemals zum Staat
Polen gehörenden Gebiets durch die Rote Armee hat ein ungeheures
Wutgeheul Englands und Frankreichs und ihrer Anhänger ausgelöst.
Das Ausmaß der damals existierenden antisowjetischen und antikom10
munistischen Hetze, egal was die Sowjetunion auch tat oder nicht tat,
war gewaltig, und wie wir zeigen werden, gab es real die Perspektive
einer mehr oder minder versteckten oder offenen Zusammenarbeit der
Engländer mit den Nazis gegen die Sowjetunion in dieser Zeitspanne.
Was wir also herausstellen wollen, ist Folgendes:
Ja, der Krieg Nazideutschlands gegen Polen – im engen Sinne des
Wortes der eigentliche Beginn des Zweiten Weltkriegs – war nicht nur
eine Momentaufnahme, bei der innerimperialistische Widersprüche
ausschlaggebend waren. Der Kampf gegen die faschistischen Staaten,
beginnend mit dem Bürgerkrieg in Spanien und vor allem auch mit
dem Kampf gegen die japanischen Imperialisten, war von Anfang an
ein Krieg, der einen antifaschistischen Charakter hatte.
Die Verbrechen der Nazis, die sie vom Überfall auf Polen 1939 bis zum
Überfall auf die Sowjetunion 1941 in Polen verübten, unterstreichen,
dass auch der Widerstand in Polen von Anfang an Teil des weltweiten
antifaschistischen Kampfs war.
Man kann sich gerne im Nachhinein wünschen, dass die Sowjetunion
mit Unterstützung der antifaschistischen Kräfte in den imperialistischen
Staaten in zwei bis drei Monaten dem Nazi-Spuk ein Ende gemacht
hätte. Wahr ist, dass bei einer solchen, nicht der Realität entsprechenden
Politik die Zerschlagung der sozialistischen Sowjetunion
eine sehr reale Möglichkeit gewesen wäre. Sie erklärte ganz bewußt
Nazi-Deutschland 1939 nicht den Krieg, sondern hat auf diplomatischer
Ebene gekämpft, während sie ihre militärischen Stellungen
Stück für Stück nach vorne verschoben hat und sich insgesamt auf den
kommenden Nazi-Angriff vorbereitet hat.
Diese Politik und Praxis war absolut richtig und konnte in diesen zwei
Jahren aus naheliegenden Gründen nicht offensiv und in der Öffentlichkeit
entsprechend begründet werden. Das schmerzt, das schmerzte
damals, und das schmerzt heute. Aber es war eben nicht möglich, einen
Nichtangriffsvertrag mit den Nazis zu schließen und gleichzeitig
zu verkünden, dass in absehbarer Zeit die Sowjetfahne auf dem
Reichstag wehen wird.
Das ist der Kern. Wer das verstehen will und wirklich sich mit der
Sowjetunion und dem Kommunismus verbunden fühlt, der kann das
verstehen. Das ist der wichtigste Punkt dieser Konferenz, den wir hervorheben
wollen, gerade auch wenn wir manche taktische Begründungen
aus der damaligen Zeit durch die Sowjetunion nachfolgend keinesfalls
mit jedem Buchstaben verteidigen, sondern auch kritisch betrachten
werden.
11
Dass die Kritiker, die der Sowjetunion 1939 Feigheit vorwerfen, absolut
im Unrecht sind, das bewies die UdSSR dann 1941 bis 1945, wo sie
nicht nur die Hauptlast des Krieges gegen Nazi-Deutschland trug, sondern
auch bewiesen hat, dass die zwei Jahre taktische Zurückhaltung
nicht das Wesentliche waren – eben dazu dienten, selbst an Stärke zu
gewinnen –, sondern die vier Jahre militärischer, politischer und ideologischer
Offensive zur Zerschlagung des Nazifaschismus.“
Diese Dokumentation der Konferenz erklärt also grundlegend, dass der
gesamte, schon vor 1939 begonnene Zweite Weltkrieg, seit 1932/33
(China) und 1936 (Spanien), dem sogenannten „komischen Krieg“
1939/40 in Westeuropa und bis hin zum Sommer 1945 sozusagen „unter
dem Strich“ ein gerechter, ein Befreiungskrieg gewesen ist.
Diese Dokumentation der Konferenz unterstreicht, dass die
grundlegende taktische Linie, die im Detail von Monat zu Monat in
der Phase 1938 und in der Phase von 1939 bis Juni 1941 aufgrund
jäher Wendungen der Imperialisten verändert werden musste – wie
im Nachhinein leichter festzustellen ist –, ganz und gar richtig war
und von einer bewundernswerten Folgerichtigkeit geprägt war, das
entscheidende Ziel zu erreichen: maximal Kräfte zu sammeln für
den Befreiungskrieg gegen den Nazifaschismus.
Gleichzeitig ist es ein Grundanliegen, klarzumachen, dass gerade in
der Phase 1939 bis 1940 in Europa die zwischenimperialistischen Aspekte
größtes Gewicht hatten, dass es galt, vor allem keine Illusionen in
den englischen und französischen Imperialismus zu haben, die einen
Krieg zwischen Nazi-Deutschland und der sozialistischen Sowjetunion
provozieren wollten. Und es gelang wirklich auch in dieser Phase, so
lange wie möglich den Krieg zwischen der Sowjetunion und Nazi-
Deutschland zu vermeiden, bis nach dem Nazi-Überfall auf die Sowjetunion
dann die „Anti-Hitler-Koalition“ entstand, die der Logik der Dinge
nach auch die innerimperialistischen Aspekte nicht einfach beseitigte,
wenn sie auch deutlicher im Hintergrund standen als 1939 bis 1940
in Europa.
Dass die englischen und die US-amerikanischen Imperialisten, die die
zutiefst reaktionären Kräfte in Polen, Griechenland und China, um die
spektakulärsten Beispiele zu nennen, unterstützten, ja vor offenen Massakern
nicht zurückschreckten, wie die Bombardierung Athens 1944 belegt,
als die Anti-Hitler-Koalition noch bestand und gemeinsam militärisch
aktiv war – das zeigt, wie stark auch in dieser Zeitspanne das im12
perialistische Element innerhalb der Anti-Hitler-Koalition war. Der tiefere
Grund für den Bruch der Anti-Hitler-Koalition nach 1945, zugespitzt
seit 1947, lässt sich nur so wirklich verstehen. Die revisionistischen
Illusionen in einen „friedlichen Wandel“ der Imperialisten zerstoben
vor allem in China 1945 bis 1949 und dann in Korea 1950, als die
US-Imperialisten direkt ihre Truppen in diese beiden Länder entsandt
hatten.
So gilt es heute im Rückblick genau zu verstehen, wie richtig die Taktik
der sozialistischen Sowjetunion war, wie illusionsfrei und vernünftig
berechnend die Spitze der KPdSU(B) in der Tradition Lenins Widersprüche
zwischen den Imperialisten ausgenutzt hat, wie schwierig und
nötig zugleich es aber war, hinter tagespolitischen, oft auch diplomatisch
formulierten Äußerungen die taktische Linie, wie sie vor allem auf
dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale 1935 formuliert
wurde, herauszuarbeiten und somit über den Augenblick hinauszusehen.
Hier werden ohne Frage erhebliche Kompromisse zu behandeln sein,
deren historische Notwendigkeit sehr viel mit der Niederlage der Revolution
in Deutschland 1918–21 und dem Sieg der Nazis 1933 zu tun hat.
Diese Kompromisse können wirklich tiefgehend nur verstanden werden,
wenn die Theorie des Imperialismus und der proletarischen Revolution
einerseits und die damalige Entwicklung der internationalen Lage andererseits
studiert werden. Auf dieser Basis kann auf die bösartige antikommunistische
Hetze wie auch auf von Unverständnis gekennzeichnete
Fragen präzise geantwortet werden. In dieser Arbeit wird dies noch
nicht umfassend geleistet, aber es wird Material zur Verfügung gestellt,
das in sich die richtigen Antworten enthält.
Die Broschüre „Geschichtsfälscher“, die wir zu Beginn abdrucken,
versehen mit eigenen Überschriften und Hervorhebungen, analysiert
sehr treffend die Zeitspanne 1939 bis 1941.
Die bisher ausgewerteten Materialien zu Polen, Griechenland und
China sowie die Frage der Eröffnung der zweiten Front in Westeuropa
zwischen 1941 und 1945 zeigen überzeugend, dass während der Anti-
Hitler-Koalition die Gegensätze zwischen Revolution und Konterrevolution
weiterwirkten.
Die Entwicklung unmittelbar nach 1945, besonders deutlich seit 1947,
zeigt – ein Kapitel, das an anderer Stelle genauer behandelt werden
13
muss –, wie die Gegensätze innerhalb der Anti-Hitler-Koalition nun zu
deren Bruch führten. In diesem Rahmen ist die Entwicklung der UNO –
zunächst entstanden aus der Anti-Hitler-Koalition – zu einem Werkzeug
des Weltimperialismus im Rahmen des Krieges gegen das volksdemokratische
Korea 1950 nach dem Sieg der volksdemokratischen Revolution
in China 1949 besonders signifikant.
Die kommunistischen Kräfte der ganzen Welt waren in der Zeitspanne
der Anti-Hitler-Koalition kräftemäßig gewachsen. Aber im Rahmen der
in jedem einzelnen Land betriebenen Bündnispolitik hatte auch die andere
Seite ihre Arbeit geleistet, um den unvermeidlichen Bruch vorzubereiten
und auszunutzen. Die Ereignisse in Titos Jugoslawien, der das
ganze Land an den englischen und den US-Imperialismus auslieferte,
später jugoslawische Arbeiter und Arbeiterinnen nach Westeuropa verkaufte,
waren Ausdruck eines verschärften Kampfes zwischen Revolution
und Konterrevolution in der ganzen Welt. Aber es war nicht der moderne
Revisionismus Titos, der der kommunistischen Weltbewegung die
größte welthistorische Niederlage bereitet hat, sondern ausgerechnet die
KPdSU wechselte spätestens nach dem XX. Parteitag 1956 die Farbe.
In den großen ideologischen Debatten und Kämpfen der letzten 50
Jahre spielte zu verschiedenen Zeitpunkten und in unterschiedlichen Zusammenhängen
immer wieder der faule und schematische historische
Vergleich der Kompromisse der sozialistischen Sowjetunion Lenins und
Stalins mit aktuellen kapitulantenhaften, revisionistischen Positionen
zum Weltimperialismus eine Rolle. Aber auch die Kritik an solchen revisionistisch-
schematischen Vergleichen war nicht immer von Sachkenntnis
und einer klaren Verteidigung der richtigen Linie Lenins und
Stalins gekennzeichnet.
Die hier nun folgende kurze Skizze der Etappen solcher ideologischen
Kämpfe soll darauf abzielen, diese Arbeit gerade auch in Hinblick auf
vergangene und aktuelle ideologische Auseinandersetzungen fruchtbar
werden zu lassen:
1. Chruschtschows revisionistische Propaganda seit 1956 erweckte die
Illusion, als könne der Bruch der Anti-Hitler-Koalition durch Zugeständnisse
an den US-Imperialismus und andere Imperialisten wieder
„geheilt“ werden. Gegen wen sich dieses neue Bündnis richtete und
wozu es dienen sollte, wurde schnell klar: Es richtete sich gegen die revolutionären
Bewegungen der ganzen Welt und diente einer schrittwei14
sen Beteiligung des Imperialismus an der Restauration des Kapitalismus
in der Sowjetunion. Der Betrug war: das Potsdamer Abkommen als angebliches
Vorbild für die „Verhandlungen“ zwischen der revisionistischen
Sowjetunion und dem US-Imperialismus.
2. In der nächsten Etappe nach der Restauration des Kapitalismus in
der Sowjetunion, die geprägt war von der sozialimperialistischen Großmachtpolitik
unter Breschnew, wurde die Zeitspanne des Vormarsches
der Roten Armee in der Phase 1944/45 zur Zerschlagung des Nazifaschismus
lügnerisch als Vorbild für die expansionistische Ausdehnung
der sozialimperialistischen Sowjetunion dargestellt. Der Betrug war:
Der Vormarsch der Roten Armee gegen Nazi-Deutschland 1944/45
wurde als angebliches Vorbild für den Einmarsch in Afghanistan und
anderen Ländern verdreht und verfälscht.
3. Aber auch in der sich neu formierenden internationalen antirevisionistischen
revolutionären Bewegung, die sich an der KP Chinas und der
Partei der Arbeit Albaniens (PAA) orientierte, wurde durch faule Vergleiche
(z. B. der US-Imperialismus als angeblicher Nachfolger des Nazifaschismus)
nahegelegt oder direkt ausgesprochen, dass im Kampf gegen
den „Hauptfeind“ US-Imperialismus sozusagen eine Neuauflage der
Politik der Anti-Hitler-Koalition angesagt wäre, also ein Bündnis mit
anderen imperialistischen Mächten.
Die Festlegung einer richtigen Linie heute erfordert die Kenntnis der
heutigen Lage und ihrer Vorgeschichte, die Auswertung der gesamten
historischen Erfahrung, um eben gegen alle schematischen und demagogischen
„Vergleiche“ theoretisch versiert und ideologisch klar mit
überzeugenden Argumenten vorgehen zu können. Auch und gerade dafür
soll die vorliegende Arbeit eine Hilfestellung sein.
* * *
Beim Studium der Beiträge dieser Konferenz wird sicherlich deutlich
werden, dass es noch nicht gelungen ist, umfassend und systematisch
eine in sich geschlossene Arbeit zu erstellen. Das hat zweierlei Gründe.
Erstens: Zunächst ist es offensichtlich, dass wir wichtige Dokumente,
insbesondere des ZK und des Politbüros der KPdSU(B), nicht kennen
und nicht auswerten konnten. „Glasnost“ zur Zeit Gorbatschows und
erst recht die sogenannte „Demokratie“ im heutigen Russland, was beides
angeblich wissenschaftliche Forschung ermöglichen sollte durch die
in breitem Umfang geöffneten Archive, erweist sich als Phrase. Bei den
15
bisher veröffentlichten Dokumenten gibt es die Schwierigkeit, die Authentizität
einzuschätzen, die Auswahlkriterien zu durchschauen und
durchaus auch die Schwierigkeit, große Mengen von Dokumenten, die
in Russisch verfasst sind, durchzuarbeiten. Wir werden auch in Zukunft
auf die Zusammenarbeit und Hilfe mit sich herausbildenden kommunistischen
Kräften im heutigen Russland angewiesen sein.
Zweitens: Unsere eigene Kapazität ist durch die vielfältigen theoretischen
und politischen Aufgaben doch so eingeschränkt, dass auch auf
der Grundlage des uns vorliegenden Materials eine umfangreichere
Überarbeitung nicht möglich und nicht sinnvoll erscheint, um nicht andere
Arbeiten zu blockieren.1 Wir denken dennoch, dass die vorliegenden
Referate und Diskussionsbeiträge zur Aufklärung einer wichtigen
Phase der Weltgeschichte und auch der kommunistischen Bewegung einen
diskutablen Beitrag leisten.
Redaktion „Rot Front“

Comments are closed.