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Kommunistische Positionen zum Warschauer Aufstand 1944

de-flb-2004-08-09 beilage

Kommunistische Positionen zum Warschauer Aufstand 1944

Kommunistische Positionen zum Warschauer Aufstand 1944
Der 60. Jahrestag des Aufstands gegen die Nazi-Besatzer in Warschau wird von den Repräsentanten des deutschen Imperialismus unverfroren zum Anlaß genommen, sich als “Freunde Polens” hinzustellen. “Beide Seiten”, so fordern sie, sollten einen Schlußstrich ziehen; so wie Schröder den revanchistischen Forderungen der Vertriebenen öffentlichwirksam eine – scheinbare – “Absage” erteilt habe, müsse auch die polnische Regierung von ihren Entschädigungsforderungen Abstand nehmen. Denn Schuld für Mord und Zerstörung in Warschau sei ja eigentlich die Rote Armee, die ihren Vormarsch nach Warschau angeblich bewußt gestoppt habe, um die “politisch unliebsamen” Aufständischen ausbluten zu lassen. Damit will der deutsche Imperialismus berechtigte polnische Entschädigungsforderungen vom Tisch fegen und vor allem von den eigenen Nazi-Verbrechen ablenken.
Bei einer Analyse des Warschauer Aufstands geht es deshalb vor allem um die notwendige Anklage der entsetzlichen Nazi-Verbrechen. Vom 1. August bis zum 2. Oktober 1944 ermordeten Nazi-Wehrmacht und SS über 200.000 Einwohnerinnen und Einwohner Warschaus, verschleppten die Überlebenden zu Zwangsarbeit oder in die Gaskammern von Auschwitz, plünderten die Stadt und zerstörten sie danach vollständig. Die Zerstörungen waren so groß, daß die 1945 gebildete volksdemokratische Regierung Polens sogar erwog, die Hauptstadt Polens an einem anderen Ort neu zu errichten.
Es geht aber auch um die Richtigstellung der historischen Wahrheit, denn in Wirklichkeit war der von der reaktionären polnischen Exilregierung in London bewußt vor dem Eintreffen der Roten Armee ausgelöste und vom englischen Imperialismus dirigierte vorzeitige Aufstand in Warschau ein kompliziertes Ereignis, das einen zweifachen Charakter hatte: Einerseits war es ein mutiger, aber auch ungewöhnlich tragischer und opferreicher bewaffneter Kampf gegen die Nazi-Besatzer, an dem sich die Masse der Warschauer Bevölkerung beteiligte. Andererseits war es eine bewaffnete Demonstration reaktionärer, antikommunistischer Machtbestrebungen, die nur im Zusammenhang mit den sich zuspitzenden Widersprüchen – forciert durch reaktionären Elemente – innerhalb der Anti-Hitler-Koalition richtig verstanden werden kann, ähnlich wie der im gleichen Jahr von den englischen Imperialisten inszenierte konterrevolutionäre Krieg gegen die Volksbefreiungsarmee in Griechenland.
Am 30. Juli stand die Rote Armee ca. 150 km vor Warschau. Jeden Meter, jeden Schritt nach Westen errang sie nur unter großen Verlusten und Opfern im Kampf gegen die Nazi-Truppen. Für die Nazi-Faschisten war die polnische Hauptstadt ein wichtiger Operations-(Verkehrs)Knotenpunkt war, derauf der kürzesten Strecke nach Berlin lag.
In dieser Situation faßte die reaktionäre polnische Exilregierung in London den Entschluß, die unter ihrem Oberbefehl stehende reaktionäre antisemitische und antikommunistische “Heimatarmee” (AK, Armia Krajowa) den Aufstand in Warschau gegen die Nazi-Besatzer auslösen zu lassen.’ Der Aufstand war insbesondere vom britischen Imperialismus inspiriert, dem es um Einflußnahme auf die zukünftige Macht in Polen ging. Der Aufstand bot ihnen die Chance, Warschau kurz vor der siegreichen Befreiung durch die Rote Armee und der mit ihnen kämpfenden Partisaninnen und Partisanen militärisch und politisch zu erobern. Damit sollte die Autorität der Sowjetunion geschmälert und vor dem Einmarsch der Roten Armee der Führungsanspruch der Londoner Exilregierung durchgesetzt werden, die von den westlichen Alliierten unterstützt wurde. Gleichzeitig sollte damit die Sowjetregierung vor vollendete Tatsachen gestellt und gezwungen werden, die Anerkennung des fortschrittlichen Polnischen Nationalen Befreiungskomitees (PKWN) zurückzuziehen, so daß die bisher bedeutungslose AK militärisch und politisch in Szene gesetzt werden konnte. Der Vorsitzende der polnischen KP erklärte wenige Monate nach dem Aufstand:
“Nicht der Kampf um Polen und die Freiheit des Vol kes veranlaßten die Führung der Landesarmee (gemeint ist: die AK, A.d.V.), den Aufstand zu beginnen. Die Ber ge von Leichen der heldenhaften Verteidiger Warschaus sah die Reaktion nur als Mittel zur Macht an (…) Indem sie den bewaffneten Aufstand ohne Abstimmung mit dem Oberkommando der Roten Armee und der ande ren militärischen Organisationen in Warschau begann, verübte die Führung der Landesarmee um des niedri gen und egoistischen Strebens zur Macht willen ein unerhörtes Verbrechen am polnischen Volk, wobei ge waltige Opfer und Leiden der gesamten Hauptstadt leichtfertig riskiert wurden…”2 Das waren die Gründe, warum die Führung der AK am 1. August 1944 den Befehl zum verfrühten Aufstand ausgab, der unter diesen Bedingungen praktisch keine Chance hatte. Die Nazi-Garnison in Warschau bestand aus etwa 20.000 bestens bewaffneten Soldaten und führte schnell große Verstärkungen heran, wobei massiv Artillerie, Panzer und Kampfflugzeuge zum Einsatz kamen. Den rund 20.000 bewaffneten AK-Angehörigen in der Stadt gelang es nicht wie geplant, die deutschen Truppen im Handstreich zu überrumpeln und die Stadt zu besetzen.
Zunächst konnten die Aufständischen jedoch trotz großer Verluste durch offensives Vorgehen einen großen Teil der Stadt befreien und halten.
Diese anfängliche Offensive war nur aus zwei Gründen möglich: Einerseits beteiligte sich die Warschauer Bevölkerung massenhaft an den Kämpfen, forderte Waffen, errichtete Barrikaden und Befestigungen, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, die eroberten Gebiete zu halten.(…)

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