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Die Nazi-Ideologie vom "lebensunwerten Leben"

11-12/04 November - Dezember 2004

Die Nazi-Ideologie vom "lebensunwerten Leben"

Die Nazi-Ideologie vom “lebensunwerten Leben”
11-12/04 November – Dezember 2004
Von der Diskriminierung zum Massenmord Die Nazi-Verbrechert gegen alle, die die Nazis als “lebensunwertes Leben” einstuften, begannen direkt nach dem 1. Januar 1933. Nach der Verabschiedung des rassistischen “Sterilisationsgesetzes” am 14.7.1933 wurden ab Januar 1934 massenhaft brutale Zwangssterilisierungen vor allem an behinderten Menschen von den Nazis durchgeführt.
Der Nazi-Massenmord gegen alle, die die Nazis als “lebensunwertes Leben” einstuften, begann im Oktober 1939, kurz nach dem Nazi-Überfall auf Polen, auf der Grundlage der bei den Zwangssterilisierungen gemachten “Erfahrungen” und erfassten “Daten”, mit dem Massenmord an behinderten Säuglingen in Krankenhäusern und Massenerschicliungen von behinderten Erwachsenen durch die SS. Der Massenmord wurde von den Nazis ab Januar 1940 zum Massenmord durch Giftgas in eigens dafür eingerichteten Vernichtungszentren İn Deutschland und Österreich gesteigert und wurde bis zum Mai 1945 weitergeführt und ausgedehnt durch Ermordung mit Hiife von Verhungernlassen, Medikamenten, Elektroschocks..- in Anstalten und Krankenhäusern. Insgesamt haben die Nazis in Nazi-Deutschland und den besetzten Ländern zwischen 200.000 und 270.000 Opfer ermordet.
Die Nazi-Ideologie vom “kbensunwerten Leben” berief sich auf die deutsche, aber auch auf die europäische Geschichte ,— von Piaton über Luther bis zur “Weimarer Republik”. Ohne Verständnis dieser Zusammenhänge, ohne zu verstehen, dass die Nazis an vorhandene reaktionäre Ideen anknüpfen konnten, sie auf die Spitze getrieben und mit Hilfe des Staatsapparats des deutschen Imperialismus in die “Praxis” umgesetzt haben, ist das Ausmall der ungebrochenen Tradition nach 1945 in Westdeutschland bzw. Deutschland schwer oder gar nicht zu verstehen: Das Klima “…so als wäre nichts gewesen!”. Die Nazi-Mörder wurden zum Großteil in Westdeutschland freigesprochen bzw. erst gar nicht verurteilt und es wurden gar neue “Karrieren” gestartet, die überlebenden Opfer wurden erneut diskriminiert und jegliche wirkliche auch nur annähernd angemessene Entschädigung vom Staat des westdeutschen bzw. deutschen Imperialismus wurde und wird bis heute verweigert!
I.
Massenhafte Zwangssterilisierungen und Nazi-Massenmord Die staatlichen Zwangssterilisierungen ab 1933 waren auch ein “Probelauf
* für den Nazi-Massenmord Die Nazis schufen vor allem drei rassistische Gesetze, die der Erfassung und Internierung, der Vorbereitung zuerst der Zwangssterilisierung und dann auch der Ermordung dienten:
M Das rassistische “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” wurde am 14. Juli 1933 verabschiedet und diente währen des Nazi-Faschismus als Modell für alle rassistischen Gesetze. Es schrieb fest, dass “Erbkranke” zwangssterilisiert werden konnten.
■ Im November 1933 wurde das rassistische Gesetz gegen “gefährliche Gewohnheitsverbrecher” erlassen.
Es dient u.a. dazu, sogenannte “Asoziale”, die rassistisch als “erbkrank” eingestuft wurden, in staatliche Zwangsanstalten einzuweisen.
■ Im Oktober 1935 wurde das Gesetz zum “Schutz der Erbgesundheit des deutschen Volkes”, das sogenannte Erbgesundheitsgesetz verabschiedet, das die rassistische Überprüfung der gesamten Bevölkerung vorschrieb, um Eheschließungen angeblich “erbkranker Personen” zu verhindern. Dieses Gesetz verbot die Eheschließung, wenn einer der beiden Partner nach NaziKriterien als “Schwachsinnig” eingestuft wurde oder unter Vormundschaft stand, unter bestimmten “ansteckenden Krankheiten” litt oder unter die “Bestimmungen” des rassistischen Sterilisationsgesetzes fiel. Jedes Paar musste vor der Heirat nachweisen, dass es nicht unter diese “Kriterien” fiel. Nur dann erhielt es das für die Heirat notwendige “Ehetauglichkeitszeugnis” vom Nazi-Gesundheitsamt (Friedländer, S. 62/73).
Während die geistig und körperlich behinderten Menschen vor 1933 in ihrer übergroßen Mehrheit in geschlossenen Anstalten leben mussten, sie also durch die Nazis dort lediglich noch erfasst und selektiert werden mussten, um sie ermorden zu können, war die Situation bei lern behinderten Kindern cinc andere. Sie werden zumeist in Hilfsschulen unterrichtet und lebten aber bei ihren Eltern. Direkt nach 1933 wurden deshalb auch die Hilfsschulen von den Nazis durchkämmt mit Hilfe der übergroßen Mehrheit der Hiifsschullehrer.
Insbesondere die “schwer schwachsinnigen” Kinder wurden selektiert und in psychiatrische oder andere Anstalten verschleppt, wo sie später Opfer der Massenmorde wurden (Klee, Euthanasie, S. 45).
1933 wurden auch die Lebensbedingungen insbesondere für geistig Behinderte massiv verschärft.
Z.B. wurden im Bezirks verband Hessen die Tagessätze für Nahrung für geistig Behinderte von den eh schon geringen 93 Pfg. 1931 auf 54 Pfg. 1933 gesenkt. Patienten “1. Klasse” und das Personal bekamen 95 Pfennig (Sandner, S. 297).
Das nazistische “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” und die Nazi “Erbgesundheitsgerichte” Das rassistische “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” wurde am 14. Juli 1933 verabschiedet.
Es hatte Gültigkeit für das damalige Staatsgebiet NaziDeutschlands. Es legte fest, wer alles zwangssterilisiert werden konnte. Die Nazi-Verbrecher nahmen in diesem Gesetz folgende Einstufungen vor: vor allem “erblich” bedingte Blinde und Taube, “Schizophrene”, “Irre”, Menschen mit “schwerer erblicher körperlicher Missbildung”, “Epileptiker” und sogenannie “schwere Alkoholiker” konnten zwangssterilisiert werden, wenn nötig auch mit Hilfe von Polizeigewalt (Friedlander, S.
Ó5/Ú6). Wer versuchte zu flüchten, wurde im “Reichskriminalblatt” zur Fahndung ausgeschrieben.
Die Nazi-”Erbgesundheitsgerichte” entschieden darüber, wer zwangssierilisiert werden sollte. Sie setzten sich aus einem Richter und zwei Ärzten zusammen und sie entschieden endgültig darüber, ob jemand zwangssterilisiert wurde. Gegen ihr Urteil war kein juristischer Einspruch mehr möglich. Geplant war, mittelfristig eine halbe bis zwei Millionen Menschen zu sterilisieren, ja der Nazi-Ideologe Fritz Lenz ging gar von 12 Millionen aus (Projeklgnippe. Heilen und Vernichten, S. 136)!
Für dieses neue Nazi-Gesetz wurde eine Nazi-Propagandaoffensive gestartet. Zur “Werbung” für das NaziGesetz wurde ein Gesetzestext samt auszugsweiser Begründung und einer Durchführungsverordnung zum Stückpreis von 1Ü Pfennigen vertrieben, unter anderem an den Schaltern der “Reichspost”, Bis 1934 waren bereits 10 Millionen Stück verkauft, Es wurden mehrere rassistische Kurz-Filme gedieht, u.a. “Die Sünden der Väter”, “AbseiLs vom Wege”(1935) und “Erbkrank” (1936) sowie der in sämtlichen Kinos Nazi-Deutschlands gezeigte Film “Alles Leben ist Kampf” (1937) und “Was du ererbt….” (1939). Diese Filme erreichten Millionen der deutschen Bevölkerung. In all diesen Filmen wurde zwar offen lediglich die Zwangssterilisierung “Erbkranker” legitimiert und propagiert, aber in allen Filmen wurden Behinderte als “vertiert”, als “Tiere” dargestellt und auch so bezeichnet, so dass indirekt nahegelegt wurde, dass es wohl legitim und im Interesse dieser “armen Geschöpfe” sein müsse, diese “Nichtmenschen” zu töten.
Ebenso wurden Dutzende neue rassistische Zeitschriften wie “Der Erbarzt” geschaffen.
Durch dieses nazistische Trommelfeuer schafften die Nazis eine Atmosphäre in Nazi-Deutschland, so dass eine große Mehrheit der deutschen Bevölkerung hinter dem nazistischen Sterilisatiunsgesetz stand, ja die Zwangsterilisierungen unterstützte bzw. guthieß.
Nachdem das Gesetz am 1.1.1934 in Kraft trat, wurden sofort massenhafte Denunziationen durchgeführt.
Im Jahr 1934 und 1935 wurden 388.000 Anzeigen erstattet, davon 25 Prozent von Anstaltsleitern, 41 Prozent von Ärzten, nur 20 Prozent waren anderer Herkunft.
Da viele Anstaltsleiter gleichzeitig Ärzte waren, stammten die Mehrheit aller Denunziationen von Ärzten, Die Zahl der Denunziationen waren 1934/35 so groß, dass die “Erbgesundheitsgenchte” bis 1938 “nur”
259.000 Anzeigen “bearbeiten” konnten. Die nazistischen Ärzte konnten z.B. 1934 “nur” 32.000 Zwangssterilisationen durchführen, obwohl es über 02,000 “Verurteilungen” gab (Friedländer, S. 67 f.). In der Regel wurde für Zwangssterilisation entschieden: 1934 waren es 92,8 Prozent, 1935 waren es 88,9 Prozent und 1935 waren es 84,6 Prozent.
An den Denunziationen waren also Tausende vor allem deutsche Ärzte beteiligt. Ohne deren “Mitarbeit” wären diese massenhaften Zwangssterilisationen nicht möglich gewesen!
Ein besonders eifriger Nazi-Gehilfe war die evangelische “Innere Mission”, die in ihren Anstallen übereifrig “Erbkranke” denunzierte. Die Auskunftsstelle des Zentralausschusses der Inneren Mission erklärt in ei-(…)

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