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Der Überfall des imperialistischen Nazi-Deutschland auf die damals sozialistische Sowjetunion

Rot Front Nr 22

Der Überfall des imperialistischen Nazi-Deutschland auf die damals sozialistische Sowjetunion

Vorbemerkung

Diese Arbeit, die wir in zwei Teilen veröffentlichen, versucht im ersten hier vorgelegten Teil zweierlei.

Einerseits wird das Ausmaß der Verbrechen des deutschen Imperialismus, des Nazi-Faschismus beim Überfall auf die sozialistische Sowjetunion dargestellt, andererseits aber wird gerade auch das ganze Ausmaß des kaum vorstelIbaren wirklich heldenhaften Wider stands der Völker der Überfallenen sozialistischen Sowjetunion, der Kampf der Roten Armee, die korrekte Linie der KPdSU(B) und die Bedeutung der Arbeit J. W. Stalins in diesem Kampf aufgezeigt Für alle am Kommunismus orientierten Genossinnen und Genossen innerhalb Deutschlands ist dieser Kampf von ganz besonderer Bedeutung.

Nach dem Sieg der sozialistischen Oktoberrevolution 1917 hofften die Aktivistinnen und Aktivisten in Russland auf einen unmittelbaren Sieg der Revolution vor allem in Deutschland, der die Lage der jungen Sowjetdemokratie, der ersten Diktatur des Proletariats von Dauer, erheblich erleichtert hätte – wirtschaftlich und vor allem auch militärisch. Aber selbst die weitgehend bürgerlich-demokratische Novemberrevolution in Deutschland scheiterte, die imperialistischen Großmächte, u. a. auch der deutsche Imperialismus, intervenierten gegen die Sowjetrepublik 1919/20, und es kostete ungeheure Anstrengungen und riesige Opfer, diesem Druck standzuhalten. Für viele schwierige Maßnahmen der zunächst schwachen Diktatur des Proletariats innerhalb des sogenannten „Kriegskommunismus” war gerade auch die fehlende Unterstützung durch eine siegreiche proletarische Revolution in Deutschland verantwortlich.

10 Jahre nach dem Abebben revolutionärer Kampfe in Deutschland 1921/23 ging es darum, unter Fuhrung der KPD die Gewinnung der Millionenmassen für das Ziel des bewaffneten Aufstands zur Errichtung der Diktatur des Proletariats anzupacken. In Berlin war die KPD schon die stärkste Partei geworden, wie selbst die letzten Parlamentswahlen 1932 unter zunehmend faschisierten Verhältnissen zeigten. Doch der Nazi-Faschismus zerschlug bald nach 1933 die Massenbewegungen der Arbeiterklasse und es gelang ihm, in den nächsten Jahren in einem vorher kaum absehbaren Ausmaß die breiten Massen der Bevölkerung in Deutschland zu verhetzen. Die sozialistische Sowjetunion, die in großem Tempo die sozialistische Ökonomie und sozialistische Demokratie entfaltete, musste angesichts der von mehreren Seiten drohenden imperialistischen Überfälle (Japan im Osten, Finnland und Polen als Werkzeuge des britischen Imperialismus, der deutsche Imperialismus im Westen) einen großen Teil ihrer ökonomischen Kraft und Politik auf die Abwehr, auf die Verzögerung eines imperialistischen Überfalls ausrichten.

Für die gesamte Weltgeschichte wäre ein Sieg der proletarischen Revolution in Deutschland, ja selbst eine bloße Verhinderung des Nazi-Faschismus auf längere Zeit von allergrößter Bedeutung gewesen. Keines von beiden gelang. Wiederum fiel die große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland dem deutschen Imperialismus nicht in die Arme, als er die sozialistische Sowjetunion mit einem Krieg überfiel.

***

Der geplante zweite Teil dieser Arbeit mit dem Titel „Theoretische Fragen des Zweiten Weltkriegs”, dessen Gliederung im Anhang abgedruckt ist, befasst sich mit den Komplikationen, die vor allem auch dadurch entstanden sind, dass die Arbeiterklasse in Deutschland den Nazi-Faschismus nicht verhindert hat. Gerade auch durch diesen Umstand war die seit dem Sieg der Oktoberrevolution 1917 erstarkte sozialistische Sowjetunion gezwungen, zwischen den verschiedenen imperialistischen Räubern zu lavieren, so wie Lenin es nach 1918 gelehrt und gezeigt hatte, also die Widersprüche der imperialistischen Großmächte auszunutzen, Verhandlungen zu fuhren, Verträge mit den imperialistischen Räubern abzuschließen usw.

Es wirkt geradezu zynisch, wenn Stimmen aus Deutschland nun der sozialistischen Sowjetunion vorwerfen, angeblich nicht revolutionär in dieser oder jenen Zeitspanne gewesen zu sein – sei es, dass solche Vorwürfe kommen, weil 1939 nach vergeblichen Verhandlungen mit Großbritannien und Frankreich schließlich ein Nichtan-griffsvertrag mit Deutschland unterzeichnet wurde, sei es, dass 1941 die Anti-Hitler-Koalition entstand und es zu Verträgen und abgestimmten Kampfhandlungen zwischen der sozialistischen Sowjetunion und den imperialistischen westlichen Großmächten gegen Nazi-Deutschland, das faschistische Italien und das faschistische Japan kam. Es geht wahrlich nicht darum, dass jeder Satz oder jedes Komma in den tagespolitischen Stellungnahmen der UdSSR in der chwierigen Zeitspanne zwischen 1939 und 1945 absolut richtig und absolut zu verteidigen wäre. Es mag diese oder jene Handlung oder Erklärung gegeben haben, die nicht genau genug war, ihr Ziel vielleicht verfehlt hat, so wie mancher Artilleriebeschuss nicht nur das eigentliche Ziel getroffen hat.

Der Teil II dieser Arbeit unterstreicht aber, dass die grundlegende taktische Linie, die im Detail von Monat zu Monat in der Phase 1938, 1939 und 1940 auf Grund von jähen Wendungen der Imperialisten verändert werden musste – wie im Nachhinein leichter festzustellen ist -, ganz und gar richtig war und von einer bewundernswerten Folgerichtigkeit ausgehend maximale Ergebnisse für das Kräfte-sammeln und dann für den Befreiungskrieg gegen den Nazi-Faschis-mus erzielt hat.

Das große grundlegende Problem des Zweiten Weltkrieges ist theoretisch gesehen, dass ohne jede Frage von Anfang an bis zum Ende zwei gegensätzliche Aspekte existierten, die in bestimmten Zeitspannen und zudem in bestimmten Regionen unterschiedliches Gewicht hatten, aber eben auch insgesamt eingeschätzt werden müssen:

Erstens, vom Überfall des deutschen, japanischen und italienischen Imperialismus auf Spanien, China und Abessinien an bis zum Sommer 1945 gab es immer den Aspekt des Befreiungscharakters des Krieges gegen den von Nazi-Deutschland geführten Block der faschistischen Staaten.

Zweitens gab es aber auch vom Anfang bis zum Ende die imperialistisch motivierte Konkurrenz der anderen imperialistischen Großmächte gegen das Erstarken des deutschen Imperialismus.

Der Teil II dieser Arbeit erklärt grundlegend, dass der gesamte, schon vor 1939 begonnene Zweite Weltkrieg, seit 1933 (China) und 1936 (Spanien) bis zum sogenannten „komischen Krieg” 1939 bis 1941 in Westeuropa und bis hin zum Sommer 1945 sozusagen „unter dem Strich” ein gerechter, ein Befreiungskrieg gewesen ist. Gleichzeitig ist ein Grundanliegen dieses zweiten Teils, klarzumachen, dass gerade in der Phase 1939-1940 in Europa die zwischenimperialistischen Aspekte größtes Gewicht hatten, dass es galt, vor allem keine Illusionen in den britischen und französischen Imperialismus zu haben, die einen Krieg zwischen Nazi-Deutschland und der sozialistischen Sowjetunion provozieren wollten. Und es gelang wirklich auch in dieser Phase, so lange wie möglich den Krieg zwischen der Sowjetunion und Nazi-Deutschland zu vermeiden. Nach dem Nazi-Überfall auf die Sowjetunion entstand dann die „Anti-Hitler-Koalition”, die der Logik der Dinge nach auch die innerimperialistischen Aspekte nicht einfach beseitigte, wenn sie auch deutlicher im Hintergrund standen, als gerade 1939-1940 in Europa.

Dass die britischen und die US-amerikanischen Imperialisten, die die zutiefst reaktionären Kräfte in Polen, Griechenland und China, um die spektakulärsten Beispiele zu nennen, unterstützten, ja bis zu offenen Massakern wie vor allem in Griechenland durch die Bombardierung Athens mitten im Bestehen der Anti-Hitler-Koalition gingen – das zeigt, wie stark auch in dieser Zeitspanne das imperialistische Element innerhalb der Anti-Hitler-Koalition war. Der Keim des Bruchs der Anti-Hitler-Koalition nach 1945, zugespitzt seit 1947, lässt sich nur so wirklich verstehen. Die revisionistischen Illusionen in einen „friedlichen Wandel” der Imperialisten zerstob vor allem in China 1945-1949 und dann in Korea 1950, als die US-Imperialisten direkt ihre Truppen entsandten.

So gilt es heute im Rückblick genau zu verstehen, wie richtig die Taktik der sozialistischen Sowjetunion war, wie illusionsfrei und vernunftig berechnend die Spitze der KPdSU(B) in der Tradition Lenins Widerspruche zwischen den Imperialisten ausgenutzt hat, wie schwierig und notig zugleich es aber war, hinter tagespolitischen, oft auch diplomatisch formulierten Äußerungen die grundlegende Linie, wie sie auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale 1935 und auf dem XVIII. Parteitag der KPdSU(B) 1939 formuliert war, herauszuarbeiten und somit über den Augenblick hinauszusehen.

Hier werden ohne Frage erhebliche Kompromisse behandelt, deren historische Notwendigkeit sehr viel mit der nicht siegreichen sozialistischen Revolution in Deutschland zu tun hat. Diese Kompromisse können wirklich nur verstanden werden, wenn die Theorie des Imperialismus und der proletarischen Revolution einerseits und die damalige Entwicklung der internationalen Lage andererseits studiert werden. Nur auf dieser Basis kann auf die bösartige antikommunistische Hetze wie auch auf von Unverständnis gekennzeichnete Fragen präzise geantwortet werden. Im Teil II wird dies noch nicht umfassend geleistet, aber es wird Material zur Verfugung gestellt, das in sich die richtigen Antworten enthält. Die Materialien der sowjetischen Genossen (insbesondere die Broschüre „Geschichtsfälscher”, die wir im Anhang von Teil II abdrucken werden), sind sehr treffend für die Zeitspanne 1939 bis 1941. Die bisher ausgewerteten Materialien zu Polen, Griechenland und China sowie die Frage der Eröffnung der zweiten Front in Westeuropa zwischen 1941 und 1945 zeigen überzeugend, dass während der Anti-Hitler-Koalition die Gegensätze zwischen Revolution und Konterrevolution weiterwirkten.

Die Entwicklung unmittelbar nach 1945, besonders deutlich seit 1947 zeigt – ein anderes Kapitel, das an anderer Stelle genauer behandelt werden muss -, wie die Gegensätze innerhalb der Anti-Hitler-Koalition nun zu deren Bruch führten. In diesem Rahmen ist der Wandel der UNO – zunächst entstanden aus der Anti-Hitler-Koalition – in ein Werkzeug des Weltimperialismus im Rahmen des Krieges gegen das volksdemokratische Korea 1950 nach dem Sieg der volksdemokratischen Revolution in China besonders signifikant.

Die kommunistischen Kräfte der ganzen Welt waren in der Zeitspanne der Anti-Hitler-Koalition kräftemäßig gewachsen. Aber im Rahmen der in jedem einzelnen Land betriebenen Bündnispolitik hatte auch die andere Seite ihre Arbeit geleistet, um den unvermeidlichen Bruch vorzubereiten und auszunutzen. Die Ereignisse in Titos Jugoslawien, der das ganze Land an den britischen und den US Imperialismus verkaufte, waren Ausdruck eines verschärften Kamp fes zwischen Revolution und Konterrevolution in der ganzen Welt Aber es war nicht der moderne Revisionismus Titos, der der kommunistischen Weltbewegung die größte welthistorische Niederlage bereitet hat, sondern ausgerechnet die KPdSU(B) wechselte spätestens nach dem XX. Parteitag 1956 die Farbe.

In den großen ideologischen Debatten und Kämpfen der letzten 50 Jahre spielte zu verschiedenen Zeitpunkten und in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder der faule, schematische historische Vergleich der Kompromisse der sozialistischen Sowjetunion Lenins und Stalins mit aktuellen kapitulantenhaften, revisionistischen Positionen zum Weltimperialismus eine Rolle Aber auch die Kritik an solchen revisionistisch-schematischen Vergleichen war nicht immer von Sachkenntnis und klarer Verteidigung der richtigen Linie Lenins und Stalins gekennzeichnet.

Die hier nun nachfolgend nur kurz skizzierten Etappen solcher ideologischen Kämpfe sollen darauf abzielen, diese Arbeit gerade auch in Hinblick auf vergangene und aktuelle ideologische Auseinandersetzungen fruchtbar werden zu lassen:

1. Chruschtschows revisionistische Propaganda seit 1956 erweckte die Illusion, als könne der Bruch der Anti-Hitler-Koalition durch Zugeständnisse an den US-Imperialismus und andere Imperialisten wieder „geheilt” werden. Gegen wen sich dieses neue Bündnis richten sollte, wurde schnell klar: gegen die revolutionären Bewegungen der ganzen Welt und für eine schrittweise Beteiligung des Imperialismus an der Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion. Der Betrug war: das Potsdamer Abkommen als angebliches Vorbild für die Linie von „Camp David”, für die „Verhandlungen” zwischen der revisionistischen Sowjetunion und dem US-Imperialismus.

2. In der nächsten Etappe nach der Restauration des Kapitalismus in der Sowietunion, die geprägt war von der sozialimperialistischen Großmachtpolitik unter Breschnew, wurde die Zeitspanne des Vormarsche s der Roten Armee in der Phase 1944/45 zur Zerschlagung des Nazi-Faschismus lügnerisch als Vorbild für die expansionistische Ausdehnung der sozialimperialistischen Sowjetunion dargestellt. Der Betrug war: Der Vormarsch der Roten Armee gegen Nazi-Deutschland 1944/45 wurde als angebliches Vorbild für den Einmarsch in Afghanistan und anderen Ländern verdreht und verfälscht.

3. Aber auch in der sich neu formierenden internationalen antirevisionistischen revolutionären Bewegung, die sich an der KP Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens (PAA) orientierte, wurde durch faule Vergleiche (z. B. der US-Imperialismus als angeblicher Nachfolger des Nazi-Faschismus) nahegelegt oder direkt ausgesprochen, ‘ dass im Kampf gegen den „Hauptfeind” US-Imperialismus sozusagen ein< Neuauflage der Politik von 1939 bis 1945 angesagt wäre.

Die Festlegung einer richtigsn Linie heute erfordert die Kenntnis der heutigen Lage und ihrer Vorgeschichte, die Auswertung der gesamten historischen Erfahrung, um eben gegen alle schematischen und demagogischen „Vergleiche” theoretisch versiert und ideologisch klar mit überzeugenden Argumenten vorgehen zu können. Auch und gerade dafür soll die vorliegende Arbeit eine Hilfestellung sein.

Redaktion „Rot Front”

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