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Beilage zum GDS-Flugblatt 5/2008 Hamburg-Altona 1932

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Beilage zum GDS-Flugblatt 5/2008 Hamburg-Altona 1932
Nazis und Polizei werden militant bekämpft Die nachfolgenden Artikel der “Roten Fahne” aus dem Jahr 1932, die uns von Antifaschisten aus Norddeutschland zugeschickt wurden, zeigen nicht nur die verbrecherische Zusammenarbeit von Staat, Nazis und SPD-Führung. Vor allem wird sichtbar, dass die antifaschistische Einheitsfront von unten im gemeinsamen militanten, ja bewaffneten Kampf geschmiedet werden konnte und geschmiedet werden musste. Der gemeinsame militante und teils bewaffnete Kampf in Altona, egal ob Kommunisten, Sozialdemokraten oder Parteilose, war einer der positivsten Ansätze im Kampf gegen den drohenden Nazi-Faschismus.
Der blutige Sonntag von Altona Eine schreiende Anklage gegen die SPD-Führer Altonaer SPD-Polizeipräsident Eggerstedt in einer Pressebesprechung:
“Nach meiner Ansicht hat es sich um einen wohlvorbereiteten Überfall der Antifaschistischen Aktion gehandelt, der zunächst vielleicht (1) nur gegen die Nationalsozialisten beabsichtigt war, im weiteren Verlauf aber völlig gegen die Polizei gerichtet wurde.
Zu den gegen die Polizei erhobenen Vorwürfen, dass sie den nationalsozialistischen Umzug durch die berüchtigten Viertel an der Hamburg-Altonaer Grenze genehmigt habe, erkläre ich, dass es nach den bisherigen Feststellungen unbedingt auch in anderen Stadtteilen zu der Schießerei gekommen wäre, da diese von der Antifaschistischen Aktion durchaus gewollt und vorbereitet war.” Hamburger SPD-Flugblatt, das am Montag verteilt wurde:
“Die SA und die Kommunisten wollen den Terror.
Sie sind die Parteien der Vernichtung. Sie sind die Parteien des Bürgerkrieges. Ihr politisches Argument ist der Mord. Mit nicht zu überbietender Gemeinheit versuchen die Altonaer Kommunisten in einem Flugblatt die Sozialdemokraten, die ihre Mitglieder und Freunde aufgefordert hatten, dem SA-Marsch fernzubleiben, die Verantwortung für die gemeinen Verbrechen, an denen die Kommunisten und die SA gleichermaßen beteiligt sind, anzuhängen … Mögen die einen zetern von Not-Mord, die anderen von SATerror, gemordet und terrorisiert haben beide.” Abend-”Vorwärts” vom 18. Juli:
“In offensichtlich provokatorischer Absicht zog die SA Durch die Altstadtviertel Altonas. … Hier fielen plötzlich Schüsse aus dem Zug, die den Auftakt zu einer allgemeinen Schlägerei gaben.” “Hamburger Anzeiger” vom 18. Juli:
“Sie erleichtert auch nicht das Gewissen derer, die für die Organisation und die Durchführung dieses Aufmarsches verantwortlich sind. Auch nicht, das soll deutlich gesagt sein, das Gewissen der zuständigen Altonaer Polizeibehörden … Es scheint uns, als hätte am gestrigen Tage beides versagt, die Verantwortlichkeit der SA-Führung wie die Voraussicht der maßgebenden Behörden.” “Berliner Tagblatt” vom 18. Juli:
“Niemals wäre es den Berliner Konservativen vor dem Kriege eingefallen, im Wedding zu demonstrieren, weil sie gewusst hätten, dass es ganz von selbst zu Zusammenstößen gekommen wäre; ebenso mussten die SA-Führer in Altona wissen, dass es in St. Pauli bei einer Hakenkreuzdemonstration ohne blutige Köpfe nicht abgehen werde … Deshalb sind auch sie von der Schuld nicht freizusprechen. Und dasselbe gilt wohl auch für die Polizei, weil sie, obwohl selbst die Verordnung vom 28. Juni dazu die Möglichkeit gegeben hätte, die Demonstration nicht auf eigene Verantwortung untersagte,” Die Wahrheit über Altona In den Arbeitervierteln Altonas, an der Hamburgischen Grenze ist es gestern durch Provokationen der SA-Banden ganz Schleswig-Holsteins, Hamburgs und Altonas zu Straßenschlachten gekommen, wie sie in diesem Ausmaß seit dem Oktober 1923 nicht mehr erlebt worden sind. 14 Tote und 75 Schwerverletzte meldet der Polizeibericht, der allerdings verschweigt, in welchem Ausmaß die von dem sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Eggerstedt kommandierte Polizei gegen die Arbeiter und gegen alles vorging, was keine braunen Hemden trug.
Als der Nazizug unter riesiger Polizeibedeckung in die Arbeiterviertel kam, wehten den braunen Garden rote Fahnen mit Hammer und Sichel entgegen, und über den Straßen spannten sich Transparente mit den Losungen der Antifaschistischen Aktion und der KPD.
An dieser Stelle begannen die Nazis ihre gemeinen Provokationen. Sie sangen: “Die rote Front, die schlagen wir zu Brei!” In der Kirchenailee kam es zu den ersten Zusammenstößen, als die Arbeiter das singende SA-Korps niederschrien. Weitere Zusammenstöße fanden in der Schauenburger Straße statt.
Als die Niederrufe der Arbeiter sich immer mehr verstärkten, fiel plötzlich aus den Reihen der Nazistürme das Kommando: “Schießt die roten Hunde nieder!” Ein Mordtrupp der SA sprang aus dem Zug und fiel über die Arbeiter her. Als diese sich zur Wehr setzten, eröffneten die Nazis ein wahres Schnellfeuer, das von den Arbeitern erwidert wurde. Andere SA-Abteilungen versuchten mit Revolvern in den Händen die Straßen abzuriegeln. Sie feuerten Schüsse auf die Fenster der Arbeiterwohnungen. Sie schlugen Arbeiter nieder und durchsuchten sie nach Waffen. Sie traten Passanten zu Boden.
Die Wahrheit muss heraus: Alles dies geschah unier den Augen der Polizei, die in dem Moment eingriff, als die Arbeiter den Angriff der Mordbanden zurückschlugen. Mit Karabinern bewaffnet räumte die Polizei die Schauenburger Straße mit dem Ruf: “Fenster zu, Straße frei, es wird geschossen I” Ein regelrechtes Schnellfeuer aus Karabinern und Maschinenpistolen wurde gegen die Häuser und in die Seitenstraßen hinein eröffnet. Damit die Nazis durchmarschieren konnten, schoß die SPD-Polizei die Straßen leer. Zahlreiche Personen, darunter unbeteiligte, wurden durch Polizeikugeln getroffen, wobei Querschläger furchtbare tödliche Verletzungen anrichteten.
Als die Nazis In der Großen Bergstraße Ecke Johannisstraße angekommen waren, war ihre Angriffskraft völlig gebrochen. Sie verzichteten darauf, weiter durch die vorgesehenen Proletarierstraßen zu marschieren und eilten Im Laufschritt durch die Große Bergstraße. Hier wurde der Aufmarsch der 5000 Braunen von den Arbeitern völlig gesprengt.
Jetzt riegelte die Polizei eine Straße nach der anderen ab. Panzerwagen wurden eingesetzt und alle Arbeiter in die Häuser getrieben. Selbst als die SPD-Polizei die Nazis vor den Arbeitern in Sicherheit gebracht hatte, wurden die Arbeiterstraßen unter weiteres Feuer genommen. Die Panzerwagen streuten Maschinengewehrsalven. Wer sich vor dem wahnsinnigen Schießen nicht mehr retten konnte, wurde von der Polizei mit hocherhobenen Händen zusammengetrieben.
In der kleinen Freiheit errichteten Arbeiter aus Steinen und Pferdewagen große Hindernisse, um die Polizei am Durchkommen zu verhindern. Nunmehr griff auch Hamburger Polizei ein. Nach mehreren vergeblichen Angriffen, wobei auch Gasbomben verwandt wurden, wurde die Barrikade von dem Panzerwagen genommen.
Wie die SA vorging. ‘ Uns wird berichtet, dass, als die SA-Banditen in Altona durch die Adlerstraße marschierten, einer plötzlich aus dem Zuge rief: .Der gehört auch zur Kommune.” Der Rufer zog nun einen Revolver aus der Tasche und schoß in die Fenster hinein. Der Nazi steckte seinen Revolver wieder In die Tasche, onne dass die Schupo Irgendetwas dagegen tat. Die SABanditen scheuten sich nicht, eine 78jährige Frau mit dem Koppel ins Gesicht zu schlagen.
Die Greisin wurde ohnmächtig und trotzdem schlug die SA weiter.
Die Toten von Altona Die von der bürgerlichen Presse festgestellte Schuld der Altonaer SPD-Polizei wird besonders deutlich, wenn man die Totenliste sieht. Der Hauptteil der Erschossenen wurde in der Wohnung von Polizeikugeln getroffen, darunter ein Sozialdemokrat und ein Reichsbannermann. Das ist die schwerste Anklage gegen die Altonaer Polizei. Soweit die Namen der 14 Toten bisher festgestellt werden konnten, handelt es sich um folgende Personen:
Frau Reschke, Altona, Große Marienstraße 41, parteilose Ehefrau, wurde in der im dritten Stock liegenden Wohnung durch das geschlossene Fenster erschossen, als sie beim Essen saß.

Ernst Kerper, Altona, Anstreicher, Blücherstraße 6.
Er erhielt vor der Tür seines Hauses einen tödlichen Bauchschuss.
Herman Ragotzki, Altona, Arbeiter. Er wollte gerade seine Tauben vom Fenster nehmen, als er durch das geschlossene Fenster einen Herzschuß bekam.
Er war parteilos, seit Jahren krank, verließ wenig seine Wohnung, die weit hinten im Hof liegt. In die Baracke wurde hineingeschossen, so dass Nachbarn, die Hilfe leisten wollten, nur unter schwerster Lebensgefahr zu dem Toten gelangten.
Erna Sommer, Altona, Große Marienstraße 7, 1 Treppe, durch Querschläger hinter dem geschlossenen Fenster erschossen.
Adolf Hagen, Altona, Konradstraße 29, SPDMitglied. Durch Bauchschuß schwer verletzt, dann gestorben. Er trat aus einer Wirtschaft auf die Straße, wo er den tödlichen Schuß erhielt.
Karl Rasch, Altona, Unzer Straße 58, 3 Treppen, Angehöriger des Reichsbanners, wollte die Fenster schließen, als er den tödlichen Kopfschuß erhielt.
Frau Hoffmann, Inhaberin eines Papiergeschäftes, Kleine Freiheit 20, parteilos. Sie stand im Laden und wurde durch die Tür erschossen. Sie erhielt einen Schuss durch das Bein und verblutete, weil infolge des ununterbrochenen Polizeifeuers ein Abtransport nicht möglich war.
Ferner sind zwei Nazis unter den Toten: Hans Koch, Altona und die Ehefrau Winkler, Hamburg. Bei dem Nazi Koch fand der Leichenwärter einen Totschläger mit etwa drei Pfund Blei und 13 scharfe Patronen.
Polizei-Überfall auf KPD-Sitzung Heute Vormittag überfiel die Polizei eine Sitzung und verhaftete 20 Genossen, darunter den Bezirksleiter der KPD, Genossen Hermann-Schubert. Die Verhafteten mussten nach kurzer Zeit wieder freigelassen werden.
SA zerstört Eiserne-Front-Lokale Als die SA-Leute von Altona in ihre Heimatorte zurückfuhren, haben sie durch das Verhalten der Polizei in Altona ermutigt, in den gestrigen Abendstunden neue Ausschreitungen verübt. In Pinneberg griffen sie das Verkehrslokal der Eisernen Front an, verwüsteten es und verwundeten mehrere Männer und Frau-(…)

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