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8. März 1911 – 2011: 100. Jahrestag des internationalen Kampftages zur Befreiung der Frauen: Zur Realität von Gewalt gegen Frauen in Deutschland

8. März 1911 – 2011: 100. Jahrestag des internationalen Kampftages zur Befreiung der Frauen: Zur Realität von Gewalt gegen Frauen in Deutschland

Die Bedeutung von Frauendiskriminierung und frauenverachtender Ideologie kann erst wirklich klar werden, wenn die Realität von körperlicher Gewalt gegen Frauen in ihrer ganzen Dramatik Ausgangspunkt auch für praktische Kämpfe wird. So wie Rassismus gegen Menschen anderer Hautfarbe in ihrer ganzen Bedeutung erst deutlich wird, wenn der innere Zusammenhang zwischen Alltagsdiskriminierung und Mord und Totschlag im Bewusstsein fortschrittlich gesinnter Menschen angekommen ist. So sollte es für Kommunisten und Kommunistinnen auch verständlich sein, dass nicht nur am internationalen Frauenkampftag, dem 8. März, sondern prinzipiell und programmatisch die Folgen der Frauendiskriminierung in ihren brutalsten Formen – Mord, Totschlag, Vergewaltigung, schwerer Körperverletzung – angeprangert und bekämpft werden müssen.
Es ist sicherlich wahr: Die Benachteiligung von Frauen bei der Besetzung von Aufsichtsräten von Großkonzernen existiert wirklich und sagt auch etwas aus. Aber es ist wahrlich nicht das Problem Nr. 1. Etwas anderes ist es, wenn berechtigterweise am 8. März und darüber hinaus von engagierten Gewerkschaftlerinnen auf die ökonomische Benachteiligung von Frauen in Fabriken und Betrieben hingewiesen wird, wenn mit vollem Recht gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert wird, wenn sexistische Anmache im Alltag und in den Medien angeprangert wird usw. Doch bei allem Respekt für die unbedingt notwendige gewerkschaftliche Aufklärung und politisch berechtigten Forderungen, ist schon verblüffend und erschreckend, dass kaum zur Kenntnis genommen wird, in welchem Ausmaß in Deutschland Frauenverachtung zu körperlicher Misshandlung bis hin zu tödlichen Konsequenzen führt.
Die Tatsache, dass im Kontext von Frauenverachtung in Deutschland jährlich über 300 Frauen und Mädchen ermordet werden und es weitere Hunderte von Mordversuchen gibt, die Tatsache, dass jährlich Tausende Fälle von Vergewaltigung und sexuelle Nötigung angezeigt werden und Zehntausend Strafanzeigen wegen sexuellen Missbrauchs von Mädchen gestellt werden, die Tatsache, dass jährlich über 40.000 Frauen vor ihren schlagenden und vergewaltigenden Ehemännern und Partnern in Frauenhäusern Zuflucht suchen – um nur einmal einige offiziell registrierte Größen zu nennen, die Dunkelziffern werden auf das mindestens 10–20fache geschätzt – all dies zeigt schon eine andere Dimension, zeigt, worum es wirklich geht.
Das deutsch-chauvinistische Manöver, das Gewalt gegen Frauen nur als ein spezifisches Problem der Migranten in Deutschland hinstellen will, muss dabei entlarvt werden.

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